Fit für den Winter: Mit diesen Maßnahmen kommen Igel gut durch die kalte Jahreszeit

Die in Europa lebenden Braunbrustigel sind gern gesehene Gäste im heimischen Garten und sorgen bei Groß und Klein für Begeisterung, wenn sie in der Abenddämmerung auf ihren Streifzügen nach Nahrung beobachtet werden können. Damit sich die stacheligen Gesellen im heimischen Garten dauerhaft wohlfühlen und gut durch den Winter kommen, können Tierfreunde Gärten mit einfachen Mitteln igelgerecht gestalten. 

Foto: IVH/BNA

Nächtliche Insektenfresser

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, begeben sich die Tiere auf Nahrungssuche. Vor allem Insekten, Regenwürmer und Schnecken stehen auf ihrem Speiseplan, während Obst oder Gemüse verschmäht werden. Damit Igel die kalten Wintertage im Winterschlaf gut überstehen, nutzen sie die Zeit im Spätsommer bis in den Herbst hinein, um sich ihren Winterspeck anzufressen. Vor allem die im Sommer geborenen Jungigel kann man nun auch häufiger tagsüber durch den Garten huschen sehen, da sie jede Zeit nutzen müssen, um Energiereserven für ihren Winterschlaf aufzubauen.

Zufüttern – ja oder nein?

Stachelige Gesellen, die auch tagsüber auf Futtersuche durch den Garten streifen, muss man nicht sofort aus falsch verstandener Fürsorge aufpäppeln. Oftmals schaffen es die Tiere selber, sich die benötigte Fettschicht vor dem Winter anzufressen. Nur wenn ein Igel eine starke Abmagerung oder Krankheitsanzeichen aufweist, sollte er erfahrenen Pflegern in einer Igelstation übergeben werden. Wer möchte, kann die Tiere aber bei ihrer Nahrungssuche ein wenig unterstützen: In flachen und leicht zu reinigenden Tonschalen, platziert an einem geschützten Ort (zum Beispiel einem Igelfutterhaus mit Rattenklappe), kann man Igeln hochwertiges Igel-, Katzen-Trocken- oder besser Nassfutter mit einem hohen Fleischanteil anbieten. Auch gegartes und ungewürztes Rinderhack oder gekochte Eier werden von den beliebten Stachelträgern sehr gerne gefressen. Verzichten sollte man hingegen neben Milch auch auf die Gabe von Obst, Gemüse oder gar Küchenabfällen. Die Futterschale muss täglich kontrolliert und gesäubert werden.

Ein naturbelassener Garten – all-inclusive für den Igel

Da sich Igel hauptsächlich von kleinen Tieren ernähren, profitieren sie von gut strukturierten, naturnahen Gärten mit Hecken oder Büschen, einer großen Wildblumenwiese sowie Laub- und Komposthaufen, die von Käfern, Raupen, Spinnen und Schnecken ebenfalls sehr gerne aufgesucht werden. Damit Igel – und ihre Nachkommen – die Möglichkeit haben, auch in den benachbarten Gärten ausreichend Nahrung zu finden, sollte man bei der Umzäunung des eigenen Grundstücks darauf achten, dass Zäune dieses nicht vollständig verschließen, sondern regelmäßig Öffnungen von circa 10 mal 10 Zentimetern in Bodennähe aufweisen, durch die die stacheligen Gesellen hindurchschlüpfen können. Auf den Einsatz von Schneckenkorn, Pflanzenschutzmitteln, Rattengift und Kunstdünger sollte zum Schutz der Igel möglichst verzichtet werden: Zum einen gefährden sie die Lebensgrundlage der Tiere und zum anderen können sich Igel bei der versehentlichen Aufnahme dieser Mittel auch vergiften. Nützlich ist hingegen das Anbieten einer Igeltränke, die wie die Futterschale täglich gereinigt und mit frischem Wasser aufgefüllt wird. Vorhandene Gartenteiche sollten mit einer flachen Ausstiegsstelle oder Ausstiegshilfen aus Holz versehen sein, damit Igel eigenständig herausklettern können, sollten sie beim Trinken hineingefallen sein. Ebenso empfiehlt es sich, Kelleraufgänge, Lichtschächte und Gruben zu sichern oder abzudecken, da die Tiere an den steilen und glatten Flächen nicht selbstständig herausklettern können. Mähroboter sollten so programmiert werden, dass sie die Tiere während ihrer nächtlichen Streifzüge nicht verletzen können.

Home sweet Home – Laubhaufen, Reisighaufen oder kommerzielle Winterquartiere?

Damit die Igel sich nicht nur die für den Winterschlaf benötigte Energie anfressen können, sondern auch einen Platz für den Winterschlaf finden, kann man ihnen mit einfachen Mittel ein passendes Quartier schaffen. Mit totem Holz, Reisig und viel Laub lässt sich in einer ruhigen Ecke des Gartens eine igelfreundliche Unterkunft für die kalten Monate errichten.

Das Totholz wird so aufgeschichtet, dass im Innern des Haufens ein Hohlraum entsteht, in dem Igel ihren Winterschlaf verbringen können. Daher ist es beim Auftürmen des Holzes wichtig, dass ein kleiner Eingang für den Igel freigelassen wird. Der Totholzhaufen kann nun mit Reisig weiter abgedeckt werden – größere Öffnungen lassen sich damit gut verschließen. Zu guter Letzt wird das Winterquartier mit einer dicken Schicht aus Herbstlaub abgedeckt. Indem man durch den Eingang auch das Innere des Winterquartiers mit ein wenig trockenem Laub füllt, ist dieses nun gut vor klirrender Kälte geschützt. Wem im eigenen Garten kein Totholz und Reisig zur Verfügung steht, kann Igeln dennoch einen Platz zum Überwintern schaffen: Im gut sortierten Zoo- oder Gartenfachhandel lassen sich bezugsfertige Igelhäuschen erwerben, beispielsweise Systeme mit mehreren Kammern oder Iglus. Diese werden in einer ruhigen Ecke des Gartens aufgestellt und mit einer dicken Schicht aus Laub bedeckt.

Dem Einzug der Igel steht somit nichts mehr im Wege. Da Igel witterungsabhängig ihren Winterschlaf gerne mal bis in den April ausdehnen, heißt es bis dahin: Bitte nicht stören – und dies muss dann auch bei der im Frühjahr beginnenden Gartenarbeit beachtet werden! IVH/BNA

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