Nagen, Knabbern, Beißen: Warum Schredderspielzeug für Sittiche wichtig ist

Ein starkes Nagebedürfnis ist jeder Papageien- und Sittich-Art quasi in die Wiege gelegt. Damit die gefiederten Freunde Tapeten und Teppiche links liegen lassen, brauchen sie allerdings geeignetes Material in ihrer Voliere.

Sittiche und Papageien lieben es, an Ästen und Holz zu knabbern. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden sie einfach nur spielen. Sie nagen an der Rinde eines Astes und reißen kleinste Teile davon ab – immer wieder. Dies in der Voliere zu beobachten, macht viel Spaß. Aber wehe, der gefiederte Freund labt sich beim Freiflug an der Raufasertapete oder dem Sisalteppich!

Nagen liegt in der Natur von Vögeln

Was der Halter oft als Spiel beobachtet, hat seinen Ursprung in der Natur. Sittiche und Papageien sind sogenannte Höhlenbrüter. Bevor es zur Brut kommt, richten sie ein gemütliches Nest für den Nachwuchs ein. „Doch nicht jede Höhle ist von vornherein geeignet“, sagt Dr. Hans Claßen, Vizepräsident des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbundes. „Das Knabbern und Schreddern dient in der Natur dazu, die Höhle für die Brut vorzubereiten und passend zu machen.“ Als langjähriger Vogelzüchter weiß Claßen, dass Weibchen – die Haupt-Protagonisten bei der Brut – oft eine stärker ausgeprägte Neigung haben, an Ästen und anderen Materialien zu knabbern. Dies gilt gleichermaßen für Vögel, die nicht brüten, sondern als Heimtiere in Volieren gehalten werden.

Den Schnabel kurz halten

Um die natürlichen Bedürfnisse der gefiederten Freunde zu befriedigen, sollte darum eine Auswahl an verschiedenem Schredderspielzeug in der Voliere vorhanden sein. Auch deshalb, weil Vögel durch das ständige Hineinbeißen in Holz oder andere Materialien ihren stets nachwachsenden Schnabel abwetzen und damit auf natürliche Weise kurz halten können. „Das Horn des Schnabels wächst wie die Krallen bei Hund oder Katze langsam nach, und durch das Nagen wird der Schnabel so kurz gehalten, dass der Vogel optimal zubeißen kann“, so Claßen.

Welches Material eignet sich?

Bei der Auswahl des geeigneten Schredderspielzeugs kann man sich an der Natur orientieren. Vögel bevorzugen die Äste von Obstbäumen sowie Weidenzweige. Auch die Zweige von Haselnussbäumen eignen sich gut. „Wichtig bei allem Material direkt aus der Natur ist aber, dass die Bäume und Äste ungespritzt sind“, sagt der Fachmann. Bestimmte Baumsorten eignen sich dagegen nicht für das Vogelheim. So enthält die Eiche zu viel Gerbsäure für Vögel und die Rinde von Eiben schadet den gefiederten Freunden ebenso wie alle Wolfsmilchgewächse (z. B. Weihnachtsstern, Kautschukbaum). „Von Schredderspielzeug aus Sisal würde ich ebenfalls eher abraten, weil sich die Krallen der Vögel leicht in dem Material verhaken können“, sagt Claßen. „Im Handel erhältliches Schredderspielzeug sollte ebenfalls in Struktur und Material an der Natur orientiert sein“, erklärt der Experte.

Vorsicht beim Anbringen

Demjenigen gefiederten Freund, der von Natur aus neugierig ist, kann man neues Schredderspielzeug problemlos in die Voliere legen oder hängen und es durch das Anbieten von Futter bekannt machen. „Bei ängstlichen Vögeln empfehle ich, neues Spielzeug immer dann in der Voliere anzubringen, wenn die Vögel gerade im Freiflug sind“, rät Claßen. Auf diese Weise können sich die Vögel in ihrem eigenen Tempo an das neue Spielzeug annähern. IVH

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