Sommerzeit für Schildkröten: Vom Innen- ins Freilandgehege

Kühlschrank, Terrarium und Garten: Um gesund zu bleiben, muss die Europäische Landschildkröte je nach Jahreszeit in eine neue Umgebung umziehen. Während der Winterschlaf im Kühlen abgehalten wird, geht es im Sommer ins Außengehege in den Garten. 

Foto: Pixabay - EM80

Europäische Landschildkröten gehören zu den in deutschen Haushalten am häufigsten gehaltenen Schildkrötenarten. Um den Tieren ein artgerechtes Leben zu bieten, ist vor allem das Umfeld ausschlaggebend für das Wohlbefinden der Panzertiere. Dieses ändert sich dreimal im Jahr – jeweils zum Frühjahr, zum Sommer sowie im Herbst.

„Viele Europäischen Landschildkröten, die zu uns in die Praxis gebracht werden, sind aufgrund einer verkehrten Haltung erkrankt“, erklärt Anett Breiting, Tierärztin mit Schwerpunkt Reptilien an der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig. „So ist es ein Irrglaube vieler Schildkrötenhalter, dass ein Terrarium als Wohnraum für diese Tiere ausreicht. Eine falsche Fütterung sowie nicht optimale Lichtverhältnisse führen dann häufig zu einer Knochenkrankheit bei den Tieren – etwa Metabolic Bone Disease – welche sich unter anderem durch eine zunehmende Erweichung des Panzers äußert.“

Ab Mai ins Freilandgehege

Im Sommer brauchen Europäische Landschildkröten vor allem eins: natürliches Sonnenlicht und Wärme. Daher geht es in den ersten warmen Monaten für das Tier vom Innen- ins Außengehege im Garten. Das Gehege sollte eine Größe von fünf Quadratmetern nicht unterschreiten und für die kühleren Nächte und Tage ein Schutzhaus mit Wärme- und UV-Lampen bereithalten. „Perfekt wäre es, wenn die Schildkröten, die langsam aus der Winterruhe ins Warme überführt wurden, direkt in das Schutzhaus kommen dürfen. Im Schutzhaus sollten Raumtemperaturen zwischen 23-28°C stets eingehalten werden“, erklärt Breiting.

Laut der Reptilien-Expertin ist es außerdem am stressfreisten für die Schildkröte, wenn sie den kompletten Sommer draußen verbringt. Daher ist ein eigener Garten optimal, aus dem das Tier nicht jeden Abend zurück ins Haus geholt werden muss. Ist ein Garten nicht vorhanden, kann bei Einzeltieren auf einem großen Balkon ein Außengehege integriert werden.

Ab September wird das Terrarium zur Heimat

Werden die Tage wieder kälter, zieht die Schildkröte in das Terrarium oder ins Schutzhaus. „Wichtig sind hier vor allem eine Wärmelampe, welche mindestens 40 Grad erreicht, sowie eine gute UV-Lampe“, rät die Tierärztin. Ab September werden die Schildkröten auf die Winterruhe vorbereitet. Temperatur und Licht werden nun über mehrere Wochen langsam heruntergefahren.

Bevor die Schildkröte in den Winterschlaf verfällt, steht im Herbst außerdem ein Gesundheitscheck beim Tierarzt an. Eine Untersuchung des Kots kann Aufschluss darüber geben, ob das Tier frei von Darmparasiten ist und in die Winterruhe gehen kann.

Ab Oktober Winterruhe im Kühlen

Für die Winterruhe benötigen die Panzertiere eine Temperatur von vier bis acht Grad. Ein kühler Kellerplatz, der konstant diese Temperatur hält, oder ein kleiner Kühlschrank, der auf die Temperatur eingestellt werden kann, ist der optimale Schlafplatz. „Die Kiste mit der Schildkröte sollte aber nicht zwischen den Lebensmitteln landen – hier droht sonst Salmonellengefahr“, erklärt die Tierärztin. „Perfekt ist ein kleiner, handelsüblicher Kühlschrank, der alleinig für die Unterbringung der Schildkröte genutzt wird. Um eine Luftzufuhr zu gewährleisten, muss der Kühlschrank immer mal wieder geöffnet werden. Ebenso muss die Schlafkiste luftdurchlässig sein. Auch eine streng kontrollierte Überwinterung im Außengehege ist möglich. Jedoch gibt es hierbei noch einige Punkte mehr zu beachten.“

Während der Winterruhe sollte das Tier etwa alle ein bis zwei Monate gewogen werden. „Verliert die Schildköte zu viel Gewicht, ist sie in den meisten Fällen krank und muss aus dem Winterschlaf geholt und zum Tierarzt gebracht werden“, berichtet Breiting. Auch ein Blick unter den Panzer ist notwendig, um einen unentdeckten Parasitenbefall und eine etwaige daraus resultierende Blutvergiftung zu bemerken. „Diese Kontrollen sollten schnell geschehen, damit die Schildkröte weder geweckt noch erwärmt wird“, so die Expertin. Ab März wachen die Tiere dann langsam auf und es geht für sie zurück in das zunächst kühle Terrarium oder ins Schutzhaus. Über einen Monat hinweg sollte die Temperatur dann langsam hochgefahren werden.

Wildkräuter statt Obst und Gemüse

„Gemüse und Obst sind schlecht für die Tiere“, warnt die Tierärztin. Es sei ein Irrglaube vieler Schildkrötenfreunde, den Tieren mit dieser Nahrung etwas Gutes zu tun. „Europäische Landschildköten brauchen Wildkräuter wie Löwenzahn, Brennnessel, Spitz- oder Breitwegerich – am besten täglich frisch gepflückt“, fährt die Reptilien-Expertin fort.

Weiteren Rat und Unterstützung erhalten Schildkrötenhalter bei Fachtierärzten mit einer Spezialisierung auf Reptilien. Diese können umfassend über die Haltung und Pflege von Schildkröten und Reptilien beraten und gemeinsam mit dem Tierfreund die Art ausfindig machen, die zu den jeweiligen Gegebenheiten passt. IVH

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