Wenn das Kaninchen zur Statue wird

Die Angststarre ist ein Urinstinkt und Schutzmechanismus des Langohrs. Sie weist darauf hin, dass ein Tier in Alarmbereitschaft ist oder sogar Todesangst verspürt. Wer das nicht weiß, kann die Bewegungslosigkeit des Kaninchens leicht als Entspannung fehlinterpretieren. 

Foto: iStock / FatCamera

Kaninchen sind stille Fluchttiere, die vorrangig über die Körpersprache kommunizieren. Umso wichtiger ist es für den Halter, die Hoppler genau zu beobachten und zu verstehen, welche Emotionen sie mit ihrer Haltung ausdrücken.

So ist es ein Irrglaube vieler Menschen, das Kaninchen sei entspannt, wenn es auf dem Schoß auf den Rücken gedreht oder am Nackenfell hochgehoben wird. Vielmehr deuten die Bewegungslosigkeit und die fehlende Gegenwehr auf eine Angststarre hin, wie Kaninchenexpertin und Buchautorin Christiane Kautz erklärt. Das Tier ist dann starr, die Augen sind weit geöffnet und es ist eine heftige Flankenatmung zu sehen. 

Angststarre als Schutzmechanismus

„Grund für das Verhalten ist ein Urinstink, der den Mümmelmännern innewohnt, und der zum Schutz vor Feinden angewendet wird“, sagt Kautz. „Wenn sich das Kaninchen so sehr erschrickt, dass es zu einer Angststarre kommt, ist der Körper in Alarmbereitschaft.“ Das Tier würde dann gern flüchten – doch wenn es die Gefahr zu spät erkannt hat oder in der Falle steckt, beispielsweise einer Zimmerecke, dann hilft nur noch die Starre. Das Tier hofft, dadurch nicht gesehen zu werden, denn in der Natur stürzen sich Feinde vor allem auf sich bewegende Tiere. 

In dieselbe Angststarre verfällt das Kaninchen auch, wenn es am Nackenfell hochgenommen wird. „Wird ein Kaninchen von einem Greifvogel erfasst und in die Lüfte gehoben, dann stellt es sich tot und verfällt in besagte Starre“, erklärt Kautz. „Legt der Vogel das vermeintlich tote Tier ab, ohne es festzuhalten, nutzt das Kaninchen diese Sekunde zur blitzschnellen Flucht.“ Wird das Tier also vom Menschen am Nackenfell hochgenommen, spürt es Panik. Expertin Kautz rät daher allen Kaninchenbesitzern ausdrücklich von diesem Griff ab. 

Lärm und Festhalten vermeiden

Grundsätzlich sollten Halter alle Schreckmomente sowie laute und hektische Bewegungen im Umgang mit dem Fluchttier Kaninchen vermeiden. Muss es doch einmal hochgehoben werden, so sollte man es mit der Hand unter Brustkorb und Hinterteil vorsichtig greifen.

Zwar sind die heutigen Kaninchen domestizierte Haustiere und wesentlich nervenstärker als ihre freilebenden Verwandten, jedoch werden die meisten Hoppler nicht gern hochgenommen und lassen sich lieber streicheln, wenn sie auf dem Boden sitzen. Am schönsten ist es, wenn die Tiere zum Schmusen auf ihre Besitzer zukommen. IVH

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