Fit für die kalte Jahreszeit? Reptilien richtig überwintern!

Viele beliebte Reptilien wie Bartagamen, Leopardgeckos, Halsbandleguane oder Europäische Landschildkröten stammen aus sehr warmen bis heißen Wüsten- oder Steppenregionen. Dennoch benötigen sie eine Winterruhe. 

Was paradox klingt, ist eine sinnvolle Einrichtung der Natur: In den natürlichen Verbreitungsgebieten der Reptilien dient die Winterruhe entweder der Überbrückung von Phasen mit sehr kalten Temperaturen oder von Mangelphasen, in denen kaum Nahrung zur Verfügung steht. 

In menschlicher Obhut erhöht eine Winterruhe die Lebenserwartung der Tiere, stärkt ihr Immunsystem und signalisiert ihnen im Rhythmus der Jahreszeiten, dass im Frühjahr die Fortpflanzungszeit naht. Damit die Überwinterung erfolgreich gelingt, sollten Reptilienfreunde die Ruhephase ihrer Schützlinge gut vorbereiten und begleiten.

Die Überwinterung vorbereiten und einleiten

Nur gesunde und gut genährte Individuen dürfen überwintert werden. Deshalb sollten Reptilienhalter möglichst noch während der Aktivitätsphase im Sommer eine Kotuntersuchung beim Tierarzt durchführen lassen. So können sie herausfinden, ob ihre Pfleglinge gesund sind und eine Überwinterung unbeschadet überstehen können. Sollten Krankheiten diagnostiziert werden, können die Tiere noch rechtzeitig behandelt werden.

Die meisten Terrarientiere verändern auch unter optimalen Haltungsbedingungen mit dem beginnenden Spätsommer ihr Verhalten hinsichtlich der bevorstehenden Winterruhe: Sie werden träge und fressen weniger. Nun heißt es, die Beleuchtungszeit – und damit die Wärme – im Terrarium innerhalb von wenigen Wochen schrittweise zu reduzieren, bis das Licht ganz ausgeschaltet werden kann. 

Für eine Überwinterung muss zudem der Darm der Tiere geleert sein, da es sonst zu gesundheitlichen Problemen während der Winterruhe kommen kann. Daher sollten Halter die Fütterung ab dem Spätsommer kontinuierlich reduzieren und sie in den letzten beiden Wochen vor der Überwinterung komplett einstellen. 

Unterschiede in der Überwinterungstemperatur beachten

Die Überwinterungstemperatur verschiedener Reptilien ist vom natürlichen Herkunftsgebiet der Tiere abhängig. Tierhalter sollten sich daher über die Bedürfnisse ihrer Pfleglinge genau informieren, beispielsweise durch entsprechende Literatur aus dem Fachhandel. 

Für Bartagamen ist ein Absinken der Temperaturen auf fünfzehn bis achtzehn Grad Celsius zu empfehlen. Leopardgeckos und Halsbandleguane brauchen hingegen niedrigere Temperaturen im Bereich von acht bis zwölf Grad Celsius und für Europäische Landschildkröten muss die Temperatur sogar auf zwei bis sechs Grad Celsius abgesenkt werden. 

Der richtige Ort für die Winterruhe

Reptilienfreunde können Bartagamen für die Überwinterung in kühleren Wohnräumen im Terrarium belassen. Dort vergraben sich die Reptilien zumeist in feuchteren Ecken und kommen während der Winterruhe nicht mehr aus ihren Verstecken hervor. Die Temperaturen im Terrarium sollten jedoch nicht über zwanzig Grad Celsius steigen, da sonst der Stoffwechsel der Tiere wieder hochgefahren und die Winterruhe unterbrochen wird. 

Leopardgeckos, Halsbandleguane und Landschildkröten hingegen können ihre Ruhephase normalerweise nicht im Terrarium verbringen. Europäische Landschildkröten können gut in entsprechend eingerichteten Freilandterrarien überwintern. Leopardgeckos und Halsbandleguane sollten in einem kühlen Kellerraum oder einem mit einem Thermostat ausgestatteten Kühlschrank überwintert werden. Hierzu setzt man die Tiere am besten in eine ausreichend große und mit vielen Luftlöchern versehene transparente Plastikbox, die mit Küchenpapier, feuchtem Sphagnummoos und einer kleinen Wasserschale ausgestattet ist. 

Die Tiere verbleiben vor dem Verbringen in den Keller oder Kühlschrank noch einige Tage in einem unbeheizten Zimmer in der Wohnung. So können die Tierhalter beobachten, ob ihre Pfleglinge die Überwinterungsbox annehmen. Ist dies der Fall, steht einer vier- bis achtwöchigen Überwinterungsphase nichts im Wege. 

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ gilt nicht während der Winterruhe

Während der Winterruhe gilt es, den Gesundheitszustand der Tiere regelmäßig zu kontrollieren. Überwintern die Tiere in transparenten Plastikboxen, lässt sich einfach überprüfen, ob etwa das Substrat noch feucht genug ist oder die Tiere abgenommen haben. 

Ist das Substrat zu trocken, sollte es wieder leicht angefeuchtet werden, um einer Dehydrierung der Tiere vorzubeugen. Haben die Tiere stark abgenommen, sollten Halter die Winterruhe beenden, die Tiere langsam wieder an wärmere Temperaturen gewöhnen und einem fachkundigen Tierarzt vorstellen. 

Ist alles in Ordnung, kann die Winterruhe fortgeführt werden. Im Frühjahr, wenn sie ihre Tiere wieder an wärmere Temperaturen gewöhnt haben, können sich die Halter dann erneut an der Aktivität ihrer Pfleglinge erfreuen. IVH/BNA

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