Freigang für Wohnungskatzen: Gassi an der Leine

Manche Katzenhalter können oder wollen ihren Tieren keinen täglichen Freigang in der Nachbarschaft gewähren. Als Alternative zur reinen Stubenhockerei gibt es den goldenen Mittelweg: Spaziergänge an der Leine. Es sind allerdings einige Aspekte zu beachten, damit der Ausflug zum Erfolg wird. 

Foto: Fotolia / Denis Nata

Gassi gehen mit der Katze, ja oder nein? Eine allgemeine Antwort auf die Frage, ob sich ein Spaziergang an der Leine für ein Tier eignet, ist laut der Tierpsychologin Birgit Rödder nicht katzengerecht. „Der Charakter der Katze sollte ausschlaggebend für die Entscheidung sein, ob man das Tier mit nach draußen nimmt“, rät Katzenexpertin Rödder. „Für sehr ängstliche Katzen sind Ausflüge an der Leine eher ungeeignet, für mutige Tiere können sie eine willkommene Abwechslung darstellen. Ausflüge können eine Bereicherung sein, wenn die Katze dabei entspannt bleibt und die Umgebung nicht zu unruhig ist.“

Früh übt sich

Wer sein Tier unter Aufsicht mit nach draußen nehmen möchte, der sollte so früh wie möglich das Laufen an der Leine trainieren. Rödder empfiehlt, bereits junge Kätzchen mit viel Geduld und Belohnungen an das Tragen eines Geschirrs zu gewöhnen. „Clickertraining und alle Arten von positiver Bestärkung eignen sich dafür sehr gut“, sagt Rödder. „In der Gewöhnungsphase sollte der Halter auf alle Reaktionen der Katze eingehen und rechtzeitig das Training beenden, bevor es dem Tier unangenehm wird.“ Wer sich unsicher ist, kann sich auch Hilfe von einem erfahrenen Katzenexperten holen. 

Bevor es nach draußen geht, sollte die Katze Geschirr und Leine entspannt dulden. Sie sollte nicht in Panik verfallen, wenn sie einen Zug an der Leine spürt oder wenn sich die Leine irgendwo verfängt. 

Die richtige Ausrüstung

Ein Halsband eignet sich nicht für Spaziergänge an der Leine, da starker Zug zu Verletzungen an der Halswirbelsäule führen kann. Ein gut sitzendes Geschirr gibt mehr Sicherheit. Alternativen zu Geschirren aus Gurten sind sogenannte Garnituren, die ähnlich wie eine Weste um Hals, Brust und Brustkorb angelegt werden und einen sicheren Halt bieten. Spezielle Garnituren und Geschirre für Katzen sind im Zoofachhandel erhältlich.

Wichtig ist, dass die Ausrüstung optimal sitzt. Ist sie zu locker, kann sich die Katze schneller daraus befreien, als man sie beruhigen oder greifen kann. Außerdem kann es unangenehm scheuern. Sitzt das Material zu eng, wird sich die Katze dagegen wehren. 

Spaziergänge planen

Vor dem ersten Ausflug sollte sich der Halter gut überlegen, was die richtige Runde sein könnte. Straßen mit viel Verkehr oder übliche Hunderunden sind meist weniger geeignet. Auch sollte klar sein, was in Schrecksituationen zu tun ist – ob sich die Katze beispielsweise auf den Arm nehmen und tragen lässt. Zudem besteht die Möglichkeit, dass angenehme Spaziergänge eine Erwartung beim Tier schüren können. „Gegebenenfalls fordert die Katze dann die Spaziergänge regelmäßig ein und reagiert frustriert, wenn sich die Hoffnung nicht erfüllt“, gibt Rödder zu bedenken. In solchen Fällen sei es gut, Alternativen in petto zu haben: beispielsweise einen gemeinsamen Ausflug auf den vernetzten Balkon oder ein beliebtes Spiel. IVH

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