Kaninchen: Langohren als „Erziehungshelfer“

Der briefschreibende und abenteuerlustige Hase Felix steht symbolisch dafür, wie innig eine Freundschaft zwischen Kind und Langohr sein kann. Doch wann ist ein Kind für diese Verantwortung bereit, was kann es mit einem Kaninchen zusammen unternehmen und welche Aufgaben fallen auf die Eltern zurück? 

Foto: iStock-strike0

Sie sind nur um die 30 Zentimeter groß, haben eine Stupsnase und kuschelig weiches Fell. Kein Wunder, dass Zwergkaninchen bei Kindern so beliebt sind. Im Gegensatz zu Hamstern, Chinchillas und Mäusen sind die Tiere tagsüber wach und lassen sich gerne bei ihren zahlreichen Aktivitäten beobachten. Ein weiterer Vorteil der Kleintiere ist, dass die tägliche Pflege im Vergleich zum Umgang mit Hunden oder Katzen wenig Zeit in Anspruch nimmt.

Die Haltungsformen und die Ernährung von Zwergkaninchen sind mit anderen Kaninchenrassen vergleichbar. Ihre überschaubare Größe macht Zwergkaninchen allerdings zu besonders beliebten Heimtieren. Vor der Anschaffung der Langohren als neue Mitbewohner sollten sich Eltern bewusst sein: Kaninchen gibt es nur im Doppelpack. Aus Tierschutzsicht dürfen die sozialen Tiere nicht allein gehalten werden und benötigen mindestens ein weiteres Kaninchen als Partner – optimal für Eltern mehrerer Kinder. So kann jedes Kind ein bestimmtes Tier versorgen.

Die beste Haltungskonstellation ist ein Weibchen mit einem kastrierten Männchen. Bei zwei Männchen sollten beide kastriert sein, damit eine harmonische Freundschaft entsteht. Eine Haltung von zwei Weibchen kann anfangs funktionieren, endet jedoch häufig im Kampf zwischen den beiden Tieren. Ein oder zwei kastrierte Männchen, welche die Damengruppe ergänzen, können eventuelle Spannungen entschärfen. „Wer sich ein Kaninchen wünscht, für den ist das Tierheim meist die beste Adresse“, rät die Kaninchenexpertin und Fachbuchautorin Christiane Kautz. „Die Pfleger kennen ihre Langohrigen sehr gut und können Empfehlungen aussprechen, welche Kaninchen miteinander harmonieren. Es gibt darüber hinaus einige sehr gute private Vermittlungen, wie z. B. die Laborkaninchenhilfe, bei denen man unter Umständen wirklich das Leben von Hopplern rettet.“

Wann ist mein Kind bereit für Kaninchen?

Auch wenn die Kinder noch so sehr um ein Zwergkaninchen betteln: Eltern können sich nicht sicher sein, ob das Interesse am Tier auch Wochen später noch anhält oder alle Aufgaben hinsichtlich der Pflege der Vierbeiner auf sie zurückfallen werden.

„Kinder ab zehn Jahren haben meist schon ein Verständnis für die Verantwortung, die ein Haustier mit sich bringt", sagt Kautz. Allerdings sollten sich Kaninchenfreunde bewusst sein, dass die Tiere bis zu zwölf Jahre alt werden können. Ob die jungen Erwachsenen dann immer noch Zeit und Interesse für ihre Heimtiere haben werden, sollte vor der Anschaffung auf jeden Fall bedacht werden.

Im Zweifel sollten die Eltern die Begeisterung für die flauschigen Mümmler teilen, um gegebenenfalls die Pflege der Tiere übernehmen zu können. „Dies empfiehlt sich ohnehin, da Eltern ihre Kinder zu einem guten und verantwortungsvollen Umgang mit den Kaninchen häufig anleiten müssen“, sagt Kautz. „Realistisch gesehen ist davon auszugehen, dass die Eltern den Großteil aller Aufgaben der Kaninchenversorgung übernehmen müssen. Zumindest tragen sie immer die Hauptverantwortung dafür.“

Wie gewöhnen sich Kaninchen und Kinder aneinander?

Vor dem Einzug der tierischen Familienmitglieder sollten Eltern und Kinder sich rund um die artgerechte Haltung der Tiere informieren – zum Beispiel mithilfe von Büchern, welche gemeinsam gelesen werden. So ist es wichtig, die Körpersprache eines Kaninchens deuten zu können, um schnell zu erkennen, wenn es sich etwa gestresst fühlt.

„Zwergkaninchen sind sehr sensible Tiere. Einige mögen sich zum Beispiel nicht gern anfassen lassen“, sagt Kautz. Generell gilt: Je größer das Kaninchen, umso ruhiger, ausgeglichener und zutraulicher ist es vermutlich. Wichtig ist, dass das Tier von sich aus den Kontakt aufnimmt und nicht mit Zuwendungen und Berührungen überschüttet wird. Um die Kaninchen an den Kontakt zum Menschen zu gewöhnen, kann man ihnen kleine Leckerchen aus der Hand reichen. Mit ein wenig Geduld lassen sich die Tiere nach einer Weile vorsichtig streicheln.

Kaninhop und andere Aktivitäten

Haben sich Kaninchen und Kind angefreundet, kann es sein, dass die beiden schnell unzertrennlich werden. Die Langohren freuen sich stets über Abwechslung und neue Spielmöglichkeiten – gern auch gemeinsam mit dem neuen menschlichen Freund. Beim sogenannten Kaninhop werden Hindernisse im Zimmer aufgestellt, welche es für die Hoppler zu erkunden und zu überwinden gilt.

Aber auch Kinderspielzeug kann auf neugierige Hoppler eine große Faszination ausüben, weiß die Buchautorin aus ihrem eigenen Umfeld: „Ein Kaninchen von Bekannten hat die Playmobil-Burg der Kinder geliebt und sie ins Spiel einbezogen.“

Wo wohnen Kaninchen am besten?

Ein Gehege als Rückzugsort für die Langohren sollte mindestens sechs Quadratmeter groß sein. Es kann im Kinderzimmer aufgestellt werden, da sich Kaninchen in der Regel schnell an die Schlafgewohnheiten ihrer Menschen anpassen. „Den Großteil der Zeit sollten die Kaninchen allerdings frei herumlaufen können – etwa in einem eigenen Kaninchenzimmer oder in einem großzügig abgetrennten Bereich, welcher nach den Bedürfnissen der Tiere gestaltet ist“, rät Kautz.

Auch eine freie Wohnungshaltung ist möglich. Besonders praktisch: Kaninchen können lernen, eine Katzentoilette zu benutzen. Doch Vorsicht, Stuhl- und Tischbeine werden gern mal angenagt. Und wer weiß: Vielleicht wird das Kind beim Spielen plötzlich von einer langohrigen Kuschelattacke überrascht. IVH

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