Kletterkünstler: Ein Waldparadies für Kornnattern

Sie kommen aus gemäßigten und subtropischen Gefilden und faszinieren mit ihren schillernden Farben: Kornnattern sind zwar keine Kuscheltiere, aber friedfertig und pflegeleicht. Wer die Kriechtiere gerne beobachtet, der kann mit wenigen Handgriffen ein schlangenfreundliches Zuhause schaffen und sich ein Stück Natur in die eigenen vier Wände holen. 

Foto: iStock-Supersport

Insgesamt 1,2 Millionen Terrarien standen 2021 in deutschen Haushalten, so das Ergebnis einer repräsentativen Erhebung vom Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e.V. und dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e. V. (ZZF). Nach Schildkröten sind Schlangen die am meisten gehaltenen Reptilien. Eine besonders beliebte Art ist die Kornnatter, denn aufgrund ihrer recht pflegeleichten Haltung ist die Schlange auch für Anfänger unter den Reptilienhaltern geeignet. Dennoch sind einige Aspekte zu beachten, bevor eine Natter einziehen kann.

Rücksprache mit dem Vermieter

Da die Kornnatter weder giftig ist noch zu den geschützten Tierarten gehört, unterliegt sie keiner Meldepflicht. „Auch der Erwerb sowie der Besitz einer Kornnatter erfordert keinerlei Genehmigungen“, sagt Dr. Markus Baur, Fachtierarzt für Reptilien und Erster Vorsitzender der Auffangstation für Reptilien in München. Jedoch sind die exotischen Tiere nicht in jeder Wohnung gern gesehene Mieter. „Bevor sich Schlangenfreunde eine Kornnatter zulegen, empfehle ich zunächst einen Blick in den Mietvertrag und dann Rücksprache mit dem Vermieter zu halten“, sagt der Experte. „Zwar ist bei ungefährlichen Heimtieren, die in geschlossenen Behältern leben, in der Wohnung keinen Schaden anrichten und auch keinerlei Geruchs- oder Lärmbelästigung erzeugen, ein offizielles Einverständnis nicht zwingend notwendig. Aber eine kurze Rücksprache hilft sicherlich, den Hausfrieden zu wahren.“

Terrarium schlangengerecht einrichten

Die minimale Größe des Terrariums ist abhängig von der Körperlänge der Natter, gemessen vom Kopf bis zur Schwanzspitze. Das bedeutet, dass die Länge des Terrariums mindestens der Körperlänge der Natter entsprechen muss. Die Hälfte der Körperlänge gibt das Maß der Terrarienbreite an. Da die Kornnatter gerne hoch hinaus kriecht, darf es gerne mindestens so hoch sein, wie die Schlange lang ist, eher höher. Ebenso sind zahlreiche Versteck- und Klettermöglichkeiten im Terrarium ein Muss. „Kornnattern klettern gerne in Sträuchern herum und nehmen dort ein Sonnenbad“, sagt Baur. „Für die Ausstattung eines besonders schlangenfreundlichen Terrariums können sich Halter daher an einem buschreichen Waldrand orientieren.“ Hierzu gehören offene, sonnige Stellen, aber auch Büsche zum Klettern sowie Grasbüschel und Baumstümpfe. Mit kletterfreundlichen Rückwänden, Liegeflächen, stabilen Felsaufbauten sowie einer umfangreichen Bepflanzung ist im Handumdrehen ein kleiner Abenteuerspielplatz gebaut. „Wenn man neben Ästen und Pflanzen dann noch hohle Korkröhren ins Terrarium integriert, haben Kornnattern neben Kletter- auch tolle Versteckmöglichkeiten“, fährt der Reptilienexperte fort.

Eine sogenannte Feuchtbox oder auch Wet-Box gehört ebenfalls zur Grundausstattung eines artgerechten Schlangenheims. „Eine geschlossene Tupperdose, ausgelegt mit feuchtem Moos und mit einem Loch zum Herein- und Herauskriechen, bietet der Kornnatter eine Möglichkeit, sich in ein kühles Milieu zurückzuziehen und Feuchtigkeit zu tanken“, so Baur. Zudem sollte das Terrarium ein flaches Wasserbecken zum Baden enthalten.

Der Arm wird zum Ast

Reptilien sind grundsätzlich keine (Kuschel-)Tiere, die gerne angefasst werden. „Bei einem verantwortungsvollem und vorsichtigem Umgang können Kornnattern aber durchaus lernen, dass es angenehm ist, auf dem Arm des Halters zu liegen oder auch mal angefasst zu werden“, berichtet der Fachtierarzt. „Wichtig ist, dem Tier die freie Wahl zu lassen, ob es das Terrarium verlässt und selbstständig auf den Arm kriecht – wie auf einen warmen Ast.“

Die Fütterung auf kreative Weise bereichern

Zukünftige Halter sollten sich bewusst machen, dass die Kornnatter keine Vegetarierin ist. Auf ihren Speiseplan gehören neben Mäusen auch kleine Ratten oder Küken. Das kann aber herausfordernd werden: „Laut Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes darf ein Wirbeltier nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Ebenso dürfen dem Tier aus Rohheit keine erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt werden“, sagt Baur. „Ein solcher Fall könnte aber eintreten, wenn eine Maus lebendig in das Terrarium gesetzt wird und die Schlange das Tier nicht richtig erwischt." In Fachgeschäften können Halter daher Frostmäuse erwerben, welche zu Hause aufgetaut und körperwarm (38°C) an die Schlange verfüttert werden. Diese bieten auch Anreiz zu Jagd und Beschäftigung, wenn der Halter die Maus mit einer Pinzette bewegt oder Spuren vom Tauwasser ins Terrarium legt. „Das bietet der Natter Abwechslung bei einem spannenden Jagd- und Suchspiel nach der Beute“, rät der Tierarzt. IVH

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