Tierverhaltenstherapie: Katze und Halter auf der Couch

Ein Hausbesuch ist Pflicht, wenn der Tierverhaltenstherapeut helfen soll. Denn viele Probleme im Zusammenleben zwischen Mensch und Katze lassen sich nur mit einem Blick hinter die Kulissen lösen. Aber Achtung: Der Begriff Tierverhaltenstherapeut ist nicht gesetzlich geschützt. 

Eine Katze, die sich stundenlang putzt, die die Zweitkatze anfaucht oder konsequent neben das Katzenklo pinkelt: Solche Verhaltensstörungen gehören zu den häufigsten Problemen, wegen denen Katzenhalter einen Tierverhaltenstherapeuten aufsuchen. Dieser geht die Behandlung in mehreren Schritten an: „Bevor man sich über die eigentliche Verhaltenstherapie unterhalten kann, muss die gesundheitliche Komponente abgeklärt werden“, sagt Dr. Barbara Schöning, Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie e. V. (GTVMT). „In etwa einem Drittel der Fälle spielen klinische Faktoren eine Rolle bei problematischen Verhaltensweisen: Chronische Schmerzen können zum Beispiel die Toleranzgrenzen für Angst, Stress oder Frustration herabsetzen und Ursache für unerwünschtes Verhalten sein.“

Zum Spezialisten mit anerkannter Ausbildung

Deshalb ist es sinnvoll, eine Katze mit Verhaltensstörungen einem Tierarzt vorzustellen, der in einer dreijährigen Spezialisierung die Zusatzbezeichnung „Tierarzt für Verhaltensmedizin/-Therapie“ erworben hat. „Wir tierärztliche Tierverhaltenstherapeuten prüfen, ob einer Katze zusätzlich mit Nahrungsergänzungsmitteln, naturheilkundlichen Verfahren und Präparaten oder Psychopharmaka geholfen werden kann“, sagt Schöning. „Aber ganz wichtig: Keines dieser Präparate kann das Training mit dem Tier ersetzen.“

Individueller Behandlungsplan für Katze und Halter

Dieses Training wird gemeinsam mit dem Katzenhalter erarbeitet. Bei einem Hausbesuch guckt sich der Tierarzt die Lebensbedingungen der Katze an: Wie katzenfreundlich ist das Haus oder die Wohnung? „Katzen lieben eine gepflegte Unordnung, brauchen Ruheplätze, Fluchtmöglichkeiten und Aussichtspunkte“, sagt Expertin Schöning. „Katzen sind außerdem keine Höhlenbewohner. Sie benötigen unbedingt offene Toiletten, möglichst mehrere in mehreren Räumen.“ 

Katzen, die keinen Freigang bekommen, bräuchten eine noch interessantere Wohnung mit viel Animation zu Spiel und Bewegung als andere Katzen. Denn: „Die Ursache für Verhaltensauffälligkeiten liegt fast immer im Stress, der aus nicht katzengerechten Lebensbedingungen resultiert“, sagt Schöning. Zusätzlich betrachtet der Therapeut gemeinsam mit dem Halter, wie dieser künftig mit seiner Katze umgehen und positives Verhalten verstärken kann. IVH

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