Verhaltenstraining mit Sittichen: Wenn der Vogel Pfötchen gibt

Die meisten Vögel werden zwar zahm, lassen sich in Notsituationen aber nur ungern festhalten und fixieren. Die tiermedizinische Versorgung wird dann oft zum Stressfaktor. Mit Medical Training, also dem spielerischen Einüben bestimmter Verhaltensweisen, können Vogelhalter ihren Tieren die Angst nehmen. 

Foto: Fotolia / dizelen

Was tun, wenn der geliebte Vogel plötzlich eine Entzündung hat und sein Fuß regelmäßig Salbe braucht? Oder er gar täglich ein Medikament in den Schnabel bekommen muss? Eine schlaue Vorbereitung kann das Problem lösen: Wer schon im Vorfeld mit seinem Vogel Übungen macht, der kann im Behandlungsfall die Medikamente stressfrei verabreichen und das Tier rundum versorgen.

Durch das sogenannte Medical Training, also das spielerische Arbeiten mit einem gesunden Vogel, wird die spätere Versorgung erleichtert und das psychische Wohlbefinden des Tieres gesichert. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern macht auch Spaß!

Clickertraining zur positiven Verstärkung

Die Grundvoraussetzung für ein strukturiert aufgebautes Medical Training ist für die Biologin und Verhaltensberaterin Hildegard Niemann, dass der Tierhalter den grundsätzlichen artgerechten Umgang mit Vögeln beherrscht. „Man muss wissen, wie man mit positiver Verstärkung arbeitet. Erst dann macht es Sinn, überhaupt mit dem Medical Training zu beginnen“, empfiehlt Niemann. „Um mit dem Vogel bestimmte Situationen zu üben, kann mit Clickertraining und Futterbelohnungen viel erreicht werden“, erläutert die Biologin. Dabei gilt es zu beachten, dass die sonstigen Futtermengen angepasst werden müssen, damit der Sittich insgesamt nicht zu viele Kalorien aufnimmt.

Zur Belohnung können Vogelhalter beispielsweise Hirse oder andere Leckereien verwenden. Immer, wenn der Vogel ein Körnchen abbeißt, gibt es einen Click – so verbindet der Vogel das Geräusch mit einem Leckerchen. Mit dem Click lassen sich später alle erwünschten Verhaltensweisen punktgenau bestätigen und anschließend belohnen. „Damit steigt die Motivation zur Mitarbeit und das macht Halter und Vogel Spaß“, sagt Niemann.

Training nur mit Bezugsperson

Eine weitere Voraussetzung für erfolgreiches Medical Training ist, dass der Vogel zu jeder Zeit die Kontrolle über die Situation behalten sollte. „Um ein gutes Vertrauensverhältnis zu bewahren, sollte der Vogel jederzeit wegfliegen und die Übung abbrechen können“, rät Niemann. Ziel ist es, langfristig so eine verlässliche Beziehung aufzubauen, dass der Vogel freiwillig auf der Hand bleibt und davon ausgeht, dass ihm nichts passiert. Für eine gelungene medizinische Versorgung muss der Vogel aus Erfahrung wissen, dass die positiven Folgen die möglicherweise kurzen unangenehmen Momente überwiegen.

Da Vögel sehr personenbezogen sind, funktioniert das Training am besten mit der Bezugsperson. Ein Besuch bei einem Tierarzt wird für das Tier aber trotzdem Stress bedeuten, auch wenn es die einzelnen Handlungen bereits kennt. „Das oberste Ziel bei der Vogelhaltung ist daher immer, es gar nicht so weit kommen zu lassen, dass der Vogel erkrankt und Medical Training ernsthaft angewendet werden muss“, sagt Niemann. IVH

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