Erziehung und Verhalten

Erziehung

Eine gute Erziehung ist unerlässlich, damit ein Hund sich nicht selbst gefährdet oder gar zur Gefahr für seine Halter oder andere Menschen wird. Es sollten deshalb vom ersten Tag an klare Regeln festgelegt werden, die den Rahmen für das soziale Miteinander abstecken. Dabei gilt:

  • Der Mensch sollte Führungskompetenz haben, das heißt er sollte der „Führende“ sein, behütend und leitend. Hierzu gibt es viele Bücher, DVDs, Online-Medien und Trainer. Am besten belegen Hund und Halter zusammen einen Kurs in einer seriösen Hundeschule oder einem Hundeverein.
  • Einen Welpen kann man ohne große Probleme zur Stubenreinheit erziehen. Am besten ist es, von Anfang an mit Konsequenz und Geduld nach jedem Aufwachen, nach dem Toben, nach jeder Mahlzeit und kurz vor dem Schlafengehen mit ihm rauszugehen. Wichtig: Nicht bestrafen, wenn er sein Geschäft einmal am falschen Platz verrichtet hat, sondern loben, wenn er den richtigen Platz wählt.
  • Wie gut ein Hund erzogen ist, ist weniger eine Frage der Anzahl beherrschter Hörzeichen, sondern eher davon, wie reibungslos er mit seinem Menschen durch den Alltag navigiert. Die wichtigsten Lektionen, die ein Hund beherrschen sollte, sind der sichere Rückruf, ein Signal zum Anhalten oder Verweilen sowie eine gute Leinenführigkeit. Welche Hör- oder Sichtzeichen Sie verwenden, wie differenziert Sie die Lektionen gestalten und wie exakt deren Ausführung sein soll, bleibt Ihnen überlassen.
  • Es ist wichtig, zwischen "Erziehung" und "Ausbildung" zu differenzieren. Ersteres ist unabdingbar, wenn das Zusammenleben von Mensch und Hund gelingen soll. Bei der Erziehung werden die Regeln etabliert, die für die Mensch-Hund-Gemeinschaft gelten sollen. Hier ist wichtig, klare Grenzen zu definieren, auf deren Einhaltung zu achten und unerwünschtes Verhalten konsequent zu unterbrechen. 
    Darüber hinaus mögen es die allermeisten Hunde, wenn man ihnen etwas beibringt oder Aufgaben stellt. Wo die besonderen Talente liegen (Nasenarbeit, Apportieren, Körperbeherrschung etc.), ist von Hund zu Hund unterschiedlich und steht oft in Verbindung mit dem ursprünglichen Verwendungsweck der jeweiligen Hunderasse(n). Die neigungsgerechte Ausbildung gelingt dann am besten, wenn sich das Mitmachen für den Hund aus dessen Sicht lohnt. Deswegen sollte man hier nicht mit Motivation sparen und herausfinden, was für den eigenen Vierbeiner ein guter Ansporn ist: Während ein Hund besonders auf soziales Lob anspringt, möchte ein anderer lieber seinen Ball und ein dritter Futter als Belohnung haben. Auf jeden Fall sind Training und Ausbildung eine Bereicherung für Hund und Mensch - und bei vielen früheren Gebrauchshunden ein nicht zu vernachlässigender Aspekt für artgerechte Haltung.

Weitere Informationen zum Thema können Sie sich hier herunterladen: Bewegung, Erziehung und Verhalten

Neben klaren Körpersignalen ist auch das Sprechen mit dem Hund Grundlage für dessen Erziehung. Hunde können zwar Sprache nicht verstehen, aber: Der Hund hat die Fähigkeit, Worte oder vielmehr Laute des Menschen zu erinnern und bestimmten Dingen, Gerüchen, Handlungen und Empfindungen zuzuordnen. Er kann ausgezeichnet die emotionale Färbung von Lauten wahrnehmen und wird sie seinen Erfahrungen entsprechend zuordnen. Ein Wort oder ein Stimmungslaut kann, wenn er zur einzelnen Geste oder zur gesamten Gestik passt, diese verstärken.

Hundebesitzer sollten konsequent zu einem entsprechenden Körpersignal immer das gleiche Hörzeichen benutzen, also zum Beispiel nicht einmal "Platz!" und ein anderes Mal "Sitz!" sagen. Das würde den Hund nur verwirren. Auch sollte der Name des Hundes immer deutlich von einem Hörzeichen zu unterscheiden sein. So könnte zum Beispiel ein Vierbeiner mit dem Namen „Fritz“ seinen Namen mit dem Hörzeichen „Sitz!“ verwechseln.

Ein Hund gehorcht besser, wenn man ihn zu dem gewünschten Verhalten mit freundlicher, hoher Stimme motiviert. Hat er etwas richtig gemacht, kann man ihn noch zusätzlich loben. Lob, Streicheleinheiten und auch ab und zu ein Leckerli, spornen ihn mehr an als Tadeln oder Schimpfen.

In den vergangenen Jahren hat sich das neben dem Halsband auch das Brustgeschirr bei vielen Hundehaltern zunehmend etabliert. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Hund, seinem Trainingsstand und der jeweiligen Situation ab.

Ein erwachsener Hund, zum Beispiel aus dem Tierheim, ist in der Regel schon mit Halsband und Leine vertraut. Ein Welpe muss erst daran gewöhnt werden. Damit dies reibungslos funktioniert, sollte man einige Dinge beachten:

  • Geschirr und Halsband müssen so sitzen, dass der Hund sich gut bewegen kann. Vermieden werden sollte, dass das Geschirr bzw. das Halsband zu eng sitzt, so dass die Atmung blockiert wird. Weiterhin sollte beides auch nicht zu locker sitzen, damit sich der Hund nicht befreien oder sich, zum Beispiel in einem Gebüsch, verheddern kann.
  • Die Leine sollte mindestens zwei Meter lang sein.
  • Vor dem ersten Spaziergang ist es hilfreich, den Hund an Brustgeschirr und Leine zu gewöhnen. Wer noch keine Erfahrung mit dem Anlegen eines Brustgeschirres hat, übt zunächst dessen Handhabung an einem Stofftier.
  • Zur Gewöhnung wird das Brustgeschirr mit der Leine kurz vor dem Füttern oder Spielen angelegt. So verbindet der Hund damit etwas für ihn sehr Positives.
  • Wenn das Brustgeschirr akzeptiert wird, kann man den ersten Spaziergang wagen. Am besten in ruhiger Umgebung, damit das Tier nicht abgelenkt wird. Für Welpen reicht zu Beginn oft der eigene Garten oder wenig frequentierte Bereiche in der Nähe der Wohnung.
  • Es kann sein, dass der Hund sich anfangs häufiger hinsetzt, sich schüttelt und vielleicht sogar versuchen wird, das Geschirr mit der Hinterpfote wegzukratzen. Hier hilft Geduld, also abwarten, bis sich der Hund freiwillig in die gewünschte Richtung bewegt. Dann wird er mit einem Leckerli belohnt.
  • Immer, wenn der Hund die nächsten Schritte mitkommt, sollte man ihn belohnen.
  • Am besten mehrmals täglich, aber nicht zu lange trainieren.
  • Einen Welpen, der anfangs nicht gerne mitlaufen will, bitte nicht hinterherziehen, sondern ein kleines Stück auf dem Arm tragen. Welpen haben noch nicht so viel Ausdauer und sollten zu Beginn nur kurze Zeitintervalle an der Leine laufen. Diese kann mit fortschreitendem Welpenalter verlängert werden.
  • Will er in eine andere Richtung oder schneller voranlaufen, hilft konsequentes Stehenbleiben.

Verhalten

Wer mit einem Hund lebt oder regelmäßig Kontakt zu Hunden hat, sollte dessen Ausdrucksverhalten kennen und richtig einordnen können. Das Erkennen von Anzeichen für Entspannung, Aufmerksamkeit, Unsicherheit, Stress oder ein Bedürfnis nach Abstand kann dazu beitragen, Missverständnisse und riskante Situationen frühzeitig zu vermeiden.

Dabei gilt: Ein einzelnes Körpersignal hat meist keine eindeutige Bedeutung. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel von Körperhaltung, Mimik, Ruten- und Ohrenstellung, Lautäußerungen sowie der jeweiligen Situation. Auch individuelle und rassetypische Unterschiede sollten berücksichtigt werden.

  • Rückenlage richtig einschätzen
    Liegt ein Hund auf dem Rücken, kann dies unterschiedliche Bedeutungen haben. Bei einem entspannten Hund mit lockerer Körperhaltung kann es Ausdruck von Vertrauen sein oder eine Aufforderung zu Körperkontakt darstellen. Eine Rückenlage kann jedoch auch Unsicherheit oder Beschwichtigung signalisieren. Ist der Körper angespannt, die Rute eingezogen oder der Blick abgewandt, sollte der Hund nicht angefasst werden.
     
  • Aufmerksamkeit und Erregung erkennen
    Ein hoch getragener Kopf, aufgerichtete oder aufmerksam ausgerichtete Ohren sowie eine erhöhte Rutenhaltung können darauf hinweisen, dass ein Hund seine Umgebung besonders aufmerksam wahrnimmt oder emotional erregt ist. Auch Schwanzwedeln bedeutet nicht automatisch Freude. Es zeigt zunächst eine Form emotionaler Aktivierung an. Ob diese positiv, angespannt oder unsicher ist, lässt sich nur zusammen mit der übrigen Körpersprache beurteilen. Dabei ist auch die für den jeweiligen Hund normale Rutenhaltung zu berücksichtigen.
     
  • Warn- und Distanzsignale ernst nehmen
    Gesträubtes Fell – die sogenannte Piloerektion – zeigt eine erhöhte emotionale Erregung an. Sie kann bei Unsicherheit, Aufregung oder in konflikthaften Situationen auftreten und ist für sich genommen noch kein Zeichen aggressiven Verhaltens. Treten jedoch mehrere Signale gleichzeitig auf, etwa ein steifer Körper, Fixieren, Knurren, hochgezogene Lefzen oder Schnappen, sollte dem Hund ausreichend Abstand ermöglicht werden. Auch stark angelegte Ohren können auf Unsicherheit, Angst oder Stress hinweisen und sollten stets im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
     
  • Eine eingezogene Rute beachten
    Trägt ein Hund seine Rute sehr tief oder klemmt sie zwischen die Hinterbeine, kann dies auf Angst, Unsicherheit oder Stress hinweisen. In Konfliktsituationen kann es außerdem ein Zeichen dafür sein, dass der Hund eine Auseinandersetzung vermeiden und Abstand gewinnen möchte.
     
  • Mimik und Gesichtsausdruck richtig deuten
    Ein entspanntes Gesicht mit locker geöffnetem Maul kann auf Menschen wie ein „Lächeln“ wirken. Das Zeigen der Zähne hat hingegen keine immer gleiche Bedeutung und muss im Zusammenhang mit der gesamten Körpersprache beurteilt werden. Sind die Lefzen hochgezogen, der Körper angespannt oder kommen Fixieren und Knurren hinzu, handelt es sich um deutliche Warn- beziehungsweise Distanzsignale.
     
  • Auch Lautäußerungen gehören zur Hundesprache
    Hunde kommunizieren ebenfalls durch Bellen, Knurren, Winseln oder andere Lautäußerungen. Deren Bedeutung hängt von Tonlage, Dauer, Häufigkeit, Situation und Körpersprache ab. Ein Knurren sollte beispielsweise als wichtiges Kommunikationssignal ernst genommen werden: Der Hund zeigt damit häufig, dass ihm eine Situation unangenehm ist oder dass er mehr Abstand benötigt.
     

Auch leise Signale beachten!


Nicht immer zeigt ein Hund sein Unwohlsein durch deutliches Knurren oder Bellen. Häufig treten bereits vorher subtilere Signale auf. Dazu können beispielsweise das Abwenden des Kopfes oder Körpers, das Vermeiden von Blickkontakt, Lippen- oder Nasenlecken, Gähnen, eine verlangsamte Bewegung, das Anheben einer Vorderpfote oder ein plötzliches Erstarren gehören.

Gerade ein solches „Einfrieren“ (Freezing) sollte ernst genommen werden. Ein Hund, der plötzlich sehr still und steif wird, ist nicht zwangsläufig entspannt oder „brav“. Abhängig von der Situation kann dies ein deutliches Zeichen von Stress oder einem Konflikt sein.

Grundsätzlich gilt daher: Hundesprache besteht aus vielen einzelnen Signalen, die erst in ihrer Gesamtheit und im jeweiligen Kontext verständlich werden. Wer frühzeitig erkennt, wann ein Hund entspannt ist, wann er unsicher wird und wann er Abstand benötigt, kann angemessen reagieren und zu einem sicheren und vertrauensvollen Zusammenleben beitragen.

Gerade im Umgang mit kleinen und/oder fremden Kindern, sollte man Hund und Kind besonders gut im Blick halten, da Kinder die stillen Signale häufig übersehen bzw. missachten.