Kaninchen verringern Stress im Klassenzimmer

Die Präsenz eines Tieres im Klassenzimmer kann den Stresslevel von Schulkindern senken und damit zu besseren Lernleistungen führen. Oft bereichern Hunde das Lernerlebnis von Schulkindern. Jetzt belegt eine Studie aus Ungarn: Auch Kaninchen können Stress und Angst bei Kindern reduzieren. Damit dies gelingt, muss aber das Wohl der Tiere im Vordergrund stehen. 

Dass Angst und Stress einen regelrecht blockieren können, weiß wohl jeder. Dies gilt natürlich auch für Kinder in der Schule: Unter Zeit- oder Leistungsdruck sollen sie die richtige Antwort geben, vor ihren Mitschülern einen Text fehlerfrei vorlesen oder eine Rechenaufgabe an der Tafel lösen. Doch wie kann es gelingen, dass der Stresslevel in einem solchen Moment nicht steigt?

Tiere helfen, Stress zu verringern

„Diverse Studien konnten bereits belegen, dass die Präsenz eines Tieres im Klassenraum Lernprozesse bei Kindern fördert und deren Stresslevel senkt“, berichtet der ungarische Wissenschaftler István Nagy. Gemeinsam mit einigen Kollegen hat er kürzlich versucht herauszufinden, ob dies vorrangig für Hunde gilt oder auch für Kaninchen. „Kaninchenhaltung ist deutlich weniger zeitaufwändig und kostengünstiger. Wenn die Ergebnisse ähnlich sind, könnte das dazu führen, dass an Schulen häufiger mit Kaninchen gearbeitet wird“, hofft der Forscher.

Sechs Wochen lang wurde eine Klasse ungarischer Grundschulkinder zunächst mit mehreren Kaninchen im Klassenzimmer unterrichtet, dann sechs Wochen ohne tierische Begleitung. „Wir konnten nachweisen, dass sich der Stresslevel während des Unterrichts mit Kaninchen bei allen Kindern verringern ließ“, fasst Nagy seine Studienergebnisse zusammen.

Das Wohl der Tiere beachten

Damit solche erfreulichen Ergebnisse erzielt werden können, gilt es einiges zu beachten. „Das Wohl der Tiere bei dieser Arbeit muss Vorrang haben“, erklärt die Biologin und Fachkraft für tiergestützte Intervention, Cornelia Drees. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie mit verschiedenen Tieren in Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen und kann aus ihrer langjährigen Erfahrung bestätigen, was die ungarische Studie belegt. „Ich stelle immer wieder fest: Wenn sich das Tier in seiner Umgebung wohlfühlt, kann es wirkungsvoll dazu beitragen, Stress bei Kindern in Lernsituationen, aber auch in anderen Zusammenhängen zu mindern“, so die Biologin.

Spezifische Kenntnisse

Drees weist darauf hin, dass es zertifizierte Fachkräfte mit tierspezifischen Kenntnissen sein sollten, die solche Projekte oder Forschungen wie die oben beschriebenen begleiten. „Kaninchen sind zum Beispiel territoriale Tiere. Das heißt, sie müssen ihre Umgebung erkunden, markieren und sie damit als sicher für sich selbst wahrnehmen. Nur dann beginnen sie zu fressen, zu spielen, und erzeugen damit die oben genannte Wirkung. Kaninchen mögen auch keinen Lärm. Damit sie eine verlässliche Lernhilfe sein können, muss die Fachkraft für tiergestützte Intervention zu Beginn gemeinsam mit den Lehrern und den Kindern Regeln erarbeiten und diese konsequent umsetzen.“ Dann haben die Kaninchen Freude und die Kinder können die Vorteile der neuen Klassenkameraden genießen. IVH

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