Mitbewohner gesucht! Tipps für eine harmonische Ziervogel-WG

Meistersänger und Plappermäulchen in bunten Farben, Liebesbekundungen und zärtliche Putzrituale sowie emsiger Flugverkehr – in einer gemischten Ziervogel-Voliere gibt es für Freunde von Wellensittichen, Kanarien und Co. einiges zu beobachten. Doch wie auch bei den Menschen passt nicht jedes Tier zum anderen. Damit es in der gefiederten WG harmonisch zugeht, gilt es, einige Grundvoraussetzungen zu schaffen.

„Die Zusammenführung verschiedener Vogelarten in einer gemeinsamen Voliere gelingt in der Regel immer dann, wenn man verträgliche Spezies wählt, die auch in der Natur eher gesellig sind“, sagt Dr. Rainer Niemann, Biologe und Autor mehrerer Ziervogelratgeber. „Grundsätzlich funktioniert eine Kombination von Arten, die aus einem Lebensraum stammen, besser, als beispielsweise eine Mischung von Bewohnern der feuchten Tropen Südamerikas und der Steppenlandschaften Afrikas.“

Die Mischung macht‘s

Besonders gut verstehen sich verschiedene australische Ziervögel wie Wellensittiche, Bourkesittiche und Zebrafinken. Auch viele Ziertäubchen, Pfirsichköpfchen und weitere Unzertrennliche sowie Katharinasittiche zählen zu den bewährten Kandidaten für eine gemischte Ziervogel-WG.

„Vogelfreunde, die Kanarien in eine bestehende Gruppe integrieren möchten, brauchen Fingerspitzengefühl und vor allem eine Voliere, die viel Platz zum Ausweichen bietet“, so Niemann. „Denn insbesondere in der Balzzeit kann es zwischen Sittichen und Finkenvögeln, zu denen die Kanarien gehören, zu Auseinandersetzungen kommen, die durchaus zu Verletzungen bei den unterlegenen Finken führen können.“ Um Unmut vorzubeugen, rät der Experte bei dieser Mischung zu einer Senioren-WG: „Ältere Vögel lassen sich meist leichter zusammenführen als junge Tiere, auch über Artgrenzen hinweg.“

Freiräume schaffen

Über Harmonie oder Disharmonie in der Ziervogel-WG entscheidet aber nicht nur die Auswahl der Mitbewohner. „Wichtig ist auch, dass die Voliere groß genug ist und genügend Raum zum Fliegen bietet“, weiß Niemann.

Auch die Anzahl der gefiederten Pfleglinge beeinflusst maßgeblich die Stimmung in der Voliere. Niemann: „Gesellige Arten wie Wellensittiche können durchaus mit 20 weiteren Tieren in einer Großvoliere leben. Bei weniger geselligen Spezies sollte die Zahl der Paare auf zwei beschränkt werden. Dann klappt es mit dem harmonischen Miteinander am besten.“

Egal in welcher Konstellation und in welcher Gruppengröße, Vogelhalter sollten ihre gefiederten Pfleglinge stets genau beobachten. Werden einige Tiere gemobbt oder wirken gestresst, ist eventuell eine Trennung der Gruppe vonnöten. „Sehr territoriale Sittiche wie einige Keilschwanzsittiche oder manche Plattschweifsittiche sollte man besser unter ihresgleichen belassen“, betont Niemann.

An einer gut funktionierenden Ziervogel-WG haben übrigens nicht nur die Halter viel Freude. Auch die Tiere können profitieren, sagt Niemann: „Die Notwendigkeit, sich mit verschiedenen anderen Vogelarten auseinanderzusetzen, hält die Ziervögel fit und beugt sehr effizient der Langeweile vor.“ IVH