Rhythmus im Blut? Warum sich Heimvögel zur Musik bewegen

Sie hüpfen und wackeln rhythmisch mit dem Köpfchen, das Bein geht im Takt der Musik hoch und runter und einige „headbangen“ sogar: Dann und wann können Vogelfreunde beobachten, wie sich Papageien, Kakadus oder auch Wellen- und Nymphensittiche zur Musik bewegen und tanzen. Doch können Vögel wirklich tanzen, oder sieht es nur für uns Menschen so aus? „Ob ein Vogel wirklich tanzt, muss von Fall zu Fall und von Vogel zu Vogel unterschieden werden“, sagt Gaby Schulemann-Maier, Vogelexpertin und leitende Redakteurin des WP-Magazins, Europas größter Zeitschrift für Vogelhalter. „Es gibt Vögel, die tatsächlich tanzen und damit Spaß und Lebensfreunde zeigen, aber auch Stress kann durchaus eine Ursache für das ‚Tanzen‘ sein.“

Vermeintlicher Tanz kann Ausdruck von Stress sein
Wenn die Tiere unter Stress stehen, können sie immerzu wiegende Körperbewegungen machen. Passiert das auch noch zur Musik, wird dies häufig mit Tanzen verwechselt. „Legen die Tiere ihr Gefieder an und geben sie dabei auch noch fauchende Laute von sich, ist dies beispielsweise bei Nymphensittichen eine Drohgebärde“, sagt die Fachredakteurin. Damit signalisieren sie Artgenossen oder auch Menschen, dass sie sich gestresst fühlen.

Auch ruckartige Kopfbewegungen sind nicht immer begeisterte Bewegungen der Tiere. „Sehr schnelle, plötzliche Kopfbewegungen nach oben und unten oder rollend seitwärts dienen bei einigen Sittichen und Papageien dazu, Futter aus dem Kropf hervorzuwürgen, um damit beispielsweise den Partner oder die Jungen zu füttern“, sagt die Expertin. Diese Bewegungsabfolge werde ebenfalls relativ häufig als Tanzen missverstanden.

Doch woran können Vogelfreunde erkennen, ob es ihrem Tier gut geht, oder ob die rhythmischen Bewegungen ein Anzeichen von Stress sind? „Der Kontext ist wichtig“, erklärt die Expertin. „Bewegt sich das Tier zur Musik, oder wenn ein Mensch reinkommt, und macht dabei einen offenen und gesunden Eindruck, so ist das ein Anzeichen von Lebensfreude. Sitzt das Tier aber nur in der Ecke und macht unabhängig von Musik wiegende Körperbewegungen, dann ist das eine Verhaltensauffälligkeit“, erklärt sie. Weitere Anzeichen von Stress seien zudem eine angespannte Körperhaltung oder wenn es so aussieht, als ob das Tier gleich zur Flucht ansetzt.

Tanzen als Kommunikationsmittel
Doch einige Ziervögel tanzen wirklich. „So sind etwa Kakadus dafür bekannt, zu tanzen“, erklärt Schulemann-Maier. Und männliche Nymphensittiche pfeifen und klopfen obendrein dazu. Alles, um die Weibchen zu beeindrucken. IVH

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