Tierhaltung in Zeiten des Coronavirus: Zehn Fragen – zehn Antworten

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) und die damit einhergehende Atemwegserkrankung COVID-19 halten ganz Deutschland in Atem. Viele Tierhalter sind verunsichert und fragen sich, was die Corona-Pandemie für sie und ihre Heimtiere bedeutet. Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V. hat die Aussagen führender Experten und Institutionen auf zehn dringliche Fragen zusammengestellt. Die gute Nachricht: Grundsätzlich können Tierfreunde mit ihren Schützlingen normal weiterleben und sie uneingeschränkt versorgen. 

Die hier zusammengetragenen Informationen entsprechen dem Informations- und Wissensstand vom 06.04.2020. Tierhalter sollten sich regelmäßig bei den angegebenen Quellen informieren. Diese werden fortlaufend aktualisiert.

1. Können Katzen und Hunde sich mit SARS-CoV-2 infizieren, an COVID-19 erkranken und das Virus auf den Menschen übertragen?

Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen. Diese Einschätzung teilen das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten sowie die Weltgesundheitsorganisation.

Gleichwohl lässt sich nach Angaben des Instituts je nach Tierart nicht komplett ausschließen, dass sich ein Heimtier bei einem Menschen mit dem Coronavirus ansteckt. Eine mögliche Infektion bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich das Virus in den Tieren vermehren kann und von ihnen auch wieder ausgeschieden wird. Vielmehr können infizierte Personen große Virusmengen über Nase und Mund ausscheiden und es ist davon auszugehen, dass ihre Umgebung mit Viren belastet ist, die auf ihre Heimtiere übergehen können. Infizierte Personen sollten daher beim Kontakt zu ihren Vierbeinern besonders auf Hygiene achten und engen Kontakt möglichst vermeiden. Dazu zählt zum Beispiel das Abschlecken des Gesichts durch die Tiere.

Ergänzende Informationen für Hundehalter: Das Friedrich-Loeffler-Institut weist darauf hin, dass es bislang keinen wissenschaftlich belegbaren Hinweis auf eine epidemiologisch relevante Infektion von Hunden durch infizierte Personen gibt. Zwar wurde bei zwei Hunden, die in Haushalten mit infizierten Personen leben, genetisches Material des Erregers entdeckt, jedoch zeigte keiner der Hunde Krankheitssymptome. Zudem legt eine erste experimentelle Studie aus China nahe, dass Hunde nur geringgradig infizierbar sind.

Ergänzende Informationen für Katzenhalter: In einer Katze in Belgien, die im Haushalt einer infizierten Person lebt, wurde Erbmaterial von SARS-CoV-2 nachgewiesen. Eine Woche nach dem Nachweis zeigte die Katze Atemnot, Erbrechen und Durchfall. Die belgischen Behörden werten den Nachweis als Einzelfall und weisen laut Friedrich-Loeffler-Institut darauf hin, dass die Symptome zwar auf COVID-19 hinweisen, eine entsprechende Erkrankung der Katze aber nicht eindeutig belegt sei. Auch aus Hong Kong wurde von einer positiv getesteten Katze berichtet und eine neue Studie chinesischer Wissenschaftler zeigt, dass sich Katzen unter Versuchsbedingungen mit dem Virus infizieren lassen und es auch auf andere Katzen übertragen können. Dies erlaubt, so die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts, jedoch keine Rückschlüsse darauf, ob Katzen Virusmengen ausscheiden, die für eine Infektion des Menschen ausreichen könnten.


Quellen:
Friedrich-Loeffler-Institut, https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00028587/FAQ-SARS-CoV-2_2020-04-06.pdf    

Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, www.ecdc.europa.eu
Weltgesundheitsorganisation, www.who.int



2. Werden Hunde und Katzen auf das Coronavirus getestet?

Sollten bei Vierbeinern Symptome auftreten, kann es nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts in Einzelfällen ratsam sein, die Tiere zu testen, um weitere Informationen zur Übertragung des Virus zu gewinnen. In diesem Fall sollte sich das zuständige Gesundheitsamt mit dem Veterinäramt in Verbindung setzen. Der Nachweis beim Tier folgt dem gleichen Testverfahren wie beim Menschen.


Quelle:
Friedrich-Loeffler-Institut, https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00028587/FAQ-SARS-CoV-2_2020-04-06.pdf
 



3. Was gilt im Umgang mit Kaninchen, Meerschweinchen und Co.?

Heimtiere wie Zwergkaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Kanarienvögel, Wellensittiche, Zierfische oder Terrarientiere können nach aktuellen Erkenntnissen nicht an COVID-19 erkranken und das Coronavirus auch nicht übertragen. Das Gleiche gilt für Pferde und Tiere in der Landwirtschaft.

Studien des Friedrich-Loeffler-Instituts zeigen jedoch, dass Frettchen empfänglich für das Virus sind. Sie lassen sich unter Laborbedingungen mit SARS-CoV-2 infizieren, können das Virus vermehren und es auf Artgenossen übertragen, entwickelten jedoch bei den Versuchen keine Krankheitssymptome. Diese Ergebnisse erachtet das Institut als wichtig, da sie bei der Erprobung von Impfstoffen und Medikamenten helfen könnten. Für Heimtierhalter besteht jedoch aktuell kein Grund zur Sorge: Bislang wurde keine Infektion eines als Heimtier gehaltenen Frettchens nachgewiesen. Halter können ihre Frettchen also ganz normal versorgen. Wurde bei einem Tierhalter COVID-19 nachgewiesen, sollte er jedoch engen Kontakt zu seinem Frettchen vermeiden.


Quellen:
Friedrich-Loeffler-Institut, https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00028587/FAQ-SARS-CoV-2_2020-04-06.pdf

Deutscher Tierschutzbund, https://www.tierheime-helfen.de/coronavirus-faqs



4. Kann ich mein Aquarium pflegen, wenn ich regelmäßig meine Hände desinfiziere?

Grundsätzlich können Tierhalter die Bewohner in Aquarien wie gewohnt versorgen. Im Zusammenhang mit der Verwendung von Desinfektionsmitteln ist laut dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e. V. (ZZF) jedoch Vorsicht geboten: Bevor Zierfisch-Freunde ins Aquarium greifen, sollten ihre Hände frei von chemischen Rückständen jeglicher Art sein. Um negative Auswirkungen auf die Wasserwerte zu vermeiden, reicht es, Hände und Arme vorab mit klarem, warmem Wasser zu reinigen.


Quelle:
Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF), https://www.zzf.de/presse/meldungen/meldungen/article/es-gibt-keinen-grund-heimtiere-aus-angst-auszusetzen.html


 

5. Sind Schutzmaßnahmen für Heimtiere notwendig?

Der Einsatz von Atemmasken oder Desinfektionsmitteln bei Tieren ist nicht notwendig. Im Gegenteil: Derartige Maßnahmen stressen die Tiere enorm und können zudem ihre Häute und Schleimhäute schädigen.

6. Dürfen Tierhalter weiterhin mit ihrem Hund Gassi gehen, falls es eine Ausgangssperre gibt?

Derzeit gilt in Deutschland ein Kontaktverbot. Eine deutschlandweite Ausgangssperre wurde bislang nicht ausgerufen. Doch auch, falls es dazu kommen sollte, müssen die Grundbedürfnisse der Bürger erfüllt werden. Dasselbe gilt für Tiere: In Deutschland ist der Tierschutz als Staatsziel verankert. Damit haben Tiere hierzulande eine Sonderstellung, die dazu führt, dass auch ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden müssen.

Wie die Regelungen im Falle einer deutschlandweiten Ausgangssperre konkret aussehen könnten, zeigt das Beispiel der Stadt Mitterteich in Bayern, wo bereits eine Ausgangssperre angeordnet wurde. Tätigkeiten wie „unabdingbare Versorgungen von Haustieren“ sind hier von der Ausgangssperre ausgenommen. Dazu gehört sowohl die Grundversorgung mit Futter und Wasser als auch eine artgerechte Bewegung der Tiere. Bei Hunden muss also erlaubt sein, ausreichend mit ihnen am Wohnort Gassi zu gehen. 


Quelle:
Deutscher Tierschutzbund, https://www.tierheime-helfen.de/coronavirus-faqs


 

7. Ich wurde positiv auf das Coronavirus getestet und befinde mich in häuslicher Quarantäne. Wie kann ich mein Tier trotzdem ausreichend versorgen?

Das Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt derzeit keine Maßnahmen wie die Trennung von infizierten Tierhaltern oder gar eine Quarantäne. Tierfreunde können ihre Schützlinge also grundsätzlich normal versorgen. Das gilt sowohl für Hunde und Katzen als auch für andere Heimtiere, wie Zwergkaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Kanarienvögel oder Wellensittiche. Gleichwohl sollten Personen, bei denen eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, engen Kontakt zu ihren tierischen Freunden vermeiden. Dazu zählt zum Beispiel das Abschlecken des Gesichts durch das Tier.

Katzen, die Freigang gewohnt sind, sollten für die Dauer der Quarantäne nach Möglichkeit nicht nach draußen gehen und auch nicht zusammen mit Katzen aus anderen Haushalten untergebracht werden, zum Beispiel in einer Katzenpension.

Hundehalter, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, stehen vor der Herausforderung, dass sie ihre Wohnung nicht verlassen dürfen. Sie sollten junge, gesunde Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte bitten, den Vierbeiner auszuführen. Je nach Charakter des Tieres empfehlen sich hierzu insbesondere Personen, die Erfahrung im Umgang mit Hunden haben.

Dabei gelten die aktuellen Hygiene- und Verhaltensregeln: 

  • Infizierte Tierhalter sollten sich vor Übergabe des Hundes gründlich die Hände waschen und den direkten Kontakt mit der Person vermeiden, die das Tier abholt.

  • Im Idealfall sollte die Person, die mit dem Hund ausgeht, das Haus oder die Wohnung nicht betreten, sondern das Tier im Eingangsbereich übernehmen.

  • Die Person, die das Tier ausführt, sollte möglichst eine eigene Leine und ein eigenes Halsband mitbringen und verwenden, damit sie nicht dieselben Gegenstände anfasst wie die infizierte Person. Ist dies nicht möglich, kann die Leine gründlich gereinigt und desinfiziert werden.


Quellen:
Friedrich-Loeffler-Institut, https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00028587/FAQ-SARS-CoV-2_2020-04-06.pdf 

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/


 

8. Kann ich weiterhin Futter und Bedarfsartikel für Tiere einkaufen?

Geschäfte des Zoofachhandels sind in den meisten Regionen ebenso geöffnet wie der normale Lebensmittelhandel. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zählt der „Einzelhandel für Tierbedarf“ zu den Geschäften des täglichen Bedarfs, die grundsätzlich geöffnet bleiben. Gleichwohl weist das Ministerium darauf hin, dass regional unterschiedliche Regelungen gelten. Tierfreunde sollten sich also im Vorfeld darüber informieren, welcher Zoofachhändler in ihrer Nähe geöffnet hat.

Beim Einkauf im Zoofachhandel gelten dieselben Verhaltensregeln wie beim Lebensmitteleinkauf. Dazu zählen ein möglichst großer Sicherheitsabstand zu anderen Personen sowie der Verzicht auf das Bezahlen mit Bargeld.


Quellen:
Bundeministerium für Gesundheit, https://www.zusammengegencorona.de/informieren/zuhause-bleiben/

Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF), https://www.zzf.de/presse/meldungen/meldungen/article/-0ec0194fb2.html 


 

9. Kann ich mit meinem Tier zum Tierarzt gehen?

Die Tierärzte und Tierkliniken in Deutschland sind weiterhin geöffnet. Der Europäische Tierärzteverband (FVE) hat jedoch zusammen mit dem Dachverband der Kleintierärzteverbände (FECAVA) Empfehlungen für die aktuelle Krise herausgegeben: Tierhalter sollten den Tierarzt nur in dringenden Fällen aufsuchen und vorab telefonisch oder online einen Termin vereinbaren. Nur eine gesunde, erwachsende Person soll das Tier begleiten und während des gesamten Aufenthalts in der Praxis den Kontakt mit anderen Menschen vermeiden.


Quelle:
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V., https://www.tieraerzteverband.de/bpt/aktuelles/meldungen/2020_03_19_fecava-fve-ratschlaege-tierhalter.php 


 

10. Ist es sinnvoll, Tiere vorsorglich im Tierheim abzugeben?

Tierhalter sollten ihre Schützlinge nur im Tierheim abgeben, wenn es unbedingt notwendig ist. Ein Ortswechsel sowie der Verlust der Bezugspersonen bedeuten für jedes Tier Stress. Darüber hinaus befinden sich die Tierheime dem Deutschen Tierschutzbund zufolge derzeit in einer Ausnahmesituation, sodass jede nicht unbedingt notwendige Tierabgabe vermieden werden muss. Dies gelte auch für eine vorübergehende Abgabe während einer 14-tägigen Quarantäne: Hierauf sollten Tierhalter nur zurückgreifen, wenn es wirklich nicht möglich ist, das betreffende Tier zu Hause zu betreuen, oder wenn eine infizierte Person ins Krankenhaus muss.


Quelle:
Deutscher Tierschutzbund, https://www.tierheime-helfen.de/coronavirus-faqs


 

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