Bioaktive Terrarien: Natürliches Gleichgewicht hinter Glas
Wie der Trend funktioniert und was Halter beachten sollten
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Im Gegensatz zu klassischen Terrarien, die regelmäßig komplett gereinigt werden müssen, setzen bioaktive Konzepte auf natürliche Prozesse. „Das Terrarium funktioniert hier wie ein kleines Ökosystem“, erklärt Dr. Axel Kwet, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT). „Viele Prozesse laufen unsichtbar im Hintergrund ab und unterstützen das Wohlbefinden von Tieren und Pflanzen. Eine wichtige Rolle nehmen dabei Mikroorganismen, Asseln und Springschwänze ein, die im Boden organisches Material wie Kot oder abgestorbene Pflanzenteile zersetzen.“ So entsteht ein Kreislauf, der das System stabil hält und den Pflegeaufwand reduziert.
Bodengrund, Pflanzen und Mikrofauna
Herzstück eines bioaktiven Terrariums ist ein mehrschichtiger Bodengrund. „Typischerweise benötigt man eine Drainageschicht, etwa aus Blähton oder grobem Kies, um Staunässe zu verhindern. Dazu eine Substratschicht aus feuchter, ungedüngter Erde, eine Deckschicht aus Laub oder Moos und unten ein Trennvlies, um das Substrat von der Drainageschicht abzugrenzen“, sagt der Experte. Eine solche Struktur hilft dabei, ein stabiles Mikroklima zu schaffen und Feuchtigkeit zu regulieren.
Unverzichtbar sind zudem die richtigen Pflanzen. Sie verbessern das Klima, produzieren Sauerstoff und bieten den Terrarienbewohnern Versteckmöglichkeiten. Sogenannte Clean-up-Teams, bestehend aus Asseln, Springschwänzen und anderen kleinen Bodenbewohnern, zersetzen derweil organische Abfälle und bereiten die Nährstoffe wieder für die Pflanzen auf. Gerade in der Anfangsphase muss sich dieses System erst einstellen.
Geeignete Bewohner
„Für bioaktive Terrarien eignen sich besonders Arten, die den Bodengrund nicht zu sehr beanspruchen und in feuchter Umgebung leben“, rät Dr. Kwet. „Dazu zählen etwa kleine Reptilienarten wie Geckos, Amphibien wie Frösche und Salamander oder auch Wirbellose.“ Die Bewohner fühlen sich in einem solchen Terrarium wohl und tragen durch ihre Ausscheidungen zum bioaktiven Kreislauf bei. Tiere, die durch starkes Grabverhalten die Ordnung im Boden durcheinanderbringen, können das empfindliche Gleichgewicht schnell stören und sind daher weniger geeignet.
Weniger eingreifen, mehr beobachten
Zwar ist ein bioaktives Terrarium nicht ganz wartungsfrei – es unterscheidet sich dennoch von klassischen Terrarien. Zu den typischen Aufgaben gehören das Kontrollieren von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, gezieltes Entfernen größerer Verschmutzungen, Pflege und Rückschnitt der Pflanzen sowie die Kontrolle der Mikrofauna-Population.
Je stabiler ein solches System läuft, desto seltener werden diese Eingriffe notwendig. „Für Halterinnen und Halter hat es zudem den Vorteil, dass es im gesamten Terrarium immer etwas zu beobachten gibt. Statt sich auf ein oder wenige Tiere zu fokussieren, kann man ein ganzes System in seiner Entwicklung beobachten“, sagt der Experte. IVH