Vom verspielten Kitten zum Gewohnheitstier
Was Katzen in welchem Alter brauchen

In den ersten Lebensmonaten ist die Welt für junge Katzen ein großes Abenteuer. Als Kitten sind sie besonders neugierig und verspielt und lernen in rasantem Tempo dazu. In dieser Zeit werden wichtige Grundlagen für ihr späteres Verhalten gelegt – sowohl im Umgang mit Menschen als auch mit Artgenossen und anderen Tieren. „Gerade in der Kittenphase lernen Katzen fürs Leben“, sagt Tierärztin Dr. Franziska Kuhne, die in ihrer Praxis Fachtierärztliche Verhaltensberatungen für Hunde und Katzen anbietet. „Positive Erfahrungen, regelmäßige Beschäftigung und ein sicher gestaltetes Umfeld helfen, Vertrauen zu entwickeln. Erste feste Routinen, etwa bei der Fütterung oder Fellpflege, geben Orientierung im Alltag. Ganz wichtig ist außerdem das sogenannte Medical Training für spätere Tierarztbesuche: Die Katze sollte sich von klein auf daran gewöhnen, einfühlsam an den sensiblen Pfoten, Ohren oder im Gesicht berührt zu werden.“
Die erwachsene Katze: Selbstständig, individuell, routiniert
Mit etwa einem Jahr gelten Katzen als ausgewachsen und zeigen ihren individuellen Charakter. Die meisten bleiben aktiv, verspielt und genießen etablierte Strukturen im Alltag. „Erwachsene Katzen sind Gewohnheitstiere“, erklärt die Expertin. „Veränderungen sollten nun nur noch langsam und mit Geduld eingeführt werden, um Stress zu vermeiden.“ Für die selbstständigen Samtpfoten gehören neben gemeinsamem Spielen und Kratzmöglichkeiten auch Rückzugsorte zu den Grundbedürfnissen. Außerdem freuen sie sich über eine abwechslungsreiche Umgebung.
Die Seniorkatze: Ruhe, Komfort, Aufmerksamkeit
Erste Anzeichen für das Altern treten oft mit etwa sieben Jahren auf. Spätestens mit zehn bis zwölf Jahren zählen Katzen dann endgültig zu den Senioren. Ihre Aktivität nimmt ab; Ruhephasen werden länger und wichtiger. Auch körperlich gibt es erste Veränderungen, die Beweglichkeit und Mobilität lassen nach. „Bei den Liegeplätzen sollte man jetzt mehr darauf achten, dass sie leicht erreichbar sind“, so Dr. Kuhne. „Ebenso ändert sich das Fressverhalten, sodass die Ernährung angepasst werden muss. Regelmäßige Gewichtskontrollen helfen dabei, dass die Katze ein gesundes Gewicht hält.“
Wenn Katzen Schmerzen haben, versuchen sie sich das in der Regel nicht anmerken zu lassen, sondern ziehen sich zunehmend zurück. „Leider werden Schmerzen mit steigendem Alter immer wahrscheinlicher. Verhält sich die Katze also plötzlich verdächtig unauffällig, sollte man sie aufmerksam beobachten“, rät die Tierärztin. Veränderungen im Fell, in der Bewegung oder im Verhalten sollten grundsätzlich ernst genommen werden. Auch die Sinnesleistungen können nachlassen. Regelmäßige Tierarztbesuche helfen, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen.
Von der verspielten Jungkatze bis zum ruhigen Senior bringt jede Lebensphase eigene Anforderungen mit sich. Wer das Verhalten richtig einordnet und bereit ist, Gewohnheiten und Bedingungen anzupassen, schafft damit eine Grundlage für ein glückliches Katzenleben. IVH