Garnele oder Flusskrebs?
Wie sich die beiden Aquarienbewohner unterscheiden

Foto: IVH/BNA-Hirt
Gemeinsam haben Krebse und Garnelen vor allem ihren deutlich ausgeprägten Panzer. Er fungiert wie eine Rüstung und kann sich nur bis zu einem gewissen Grad ausdehnen. Daher müssen sich Krebse und Garnelen von Zeit zu Zeit häuten, um wachsen zu können. Danach sind sie für einige Stunden besonders anfällig, da ihr Panzer noch nicht wieder ausgehärtet ist und über die völlige Stabilität verfügt.
Verbreitete Garnelen- und Flusskrebsarten
Vollkommen unterschiedlich ist die Verbreitung von Garnelen und Krebsen in der Aquaristik. „Flusskrebse sind im Gegensatz zu Garnelen im Handel seltener anzutreffen“, berichtet Liebhauser. „Die bekanntesten Arten, die noch regelmäßig zu finden sind, sind der Blaue Floridakrebs (Procambarus alleni) sowie der Orangefarbene Zwergflusskrebs (Cambarellus patzcuarensis).“
Garnelen sind in der Haltung wesentlich verbreiteter als Krebse, beispielsweise Amanogarnelen (Caridina multidentata) und Zwerggarnelen (Neocaridina davidi). „Amanogarnelen werden meist als Nützlinge zur Reduktion von Algen und anderen biologischen Aufwüchsen in Aquarien eingesetzt“, sagt Liebhauser. „Zwerggarnelen sind durch Selektion und Zucht in vielen Farben erhältlich und werden oft auch nur ihrer Schönheit wegen gehalten und nicht primär als Nützling.“ Weiterhin sind auch Bienengarnelen (Caridina logemanni) aufgrund ihrer schönen Farbformen beliebt, allerdings benötigen sie eher weiches Wasser und sind deshalb weniger verbreitet.
Während sich diese Garnelenarten zu einem gewissen Teil von Laub und abgestorbenen Pflanzenresten sowie biologischen Aufwüchsen wie Algen ernähren, benötigen Flusskrebse regelmäßig tierisches Eiweiß, beispielsweise Tubifexwürmer oder Schnecken. Viele Krebse fressen auch Aquarienpflanzen – durch Zufüttern von Gurke oder Karotte kann dieses Verhalten aber deutlich reduziert werden. Weiterhin sind sowohl für Krebse als auch für Garnelen spezielle Futtersticks oder -tabletten erhältlich; der Fachhandel berät gern.
Unkomplizierte Garnelen
Garnelen können gut in Gruppen und in den meisten Fällen problemlos mit passenden Fischen vergesellschaftet werden. Sie benötigen keine zusätzlichen Verstecke – allerdings ist anzuraten, einige Wasserpflanzen und Wurzeln im Aquarium zu verteilen, damit den Tieren mehr Aktionsfläche zur Verfügung steht.
Sie können bereits in kleinen Becken mit den Maßen 30 x 30 x 30 cm erfolgreich gepflegt werden. Zu Beginn der Garnelenhaltung können in ein solches Aquarium zehn bis 15 Tiere eingesetzt werden. „Für die Haltung von Garnelen sowie Flusskrebsen gilt: Bei den angegebenen Maßen handelt es sich um Mindestmaße – die Tiere nehmen ein großzügigeres Platzangebot dankend an“, sagt Liebhauser.
Anspruchsvoller und territorialer: Flusskrebse
Während Garnelen auch am Tag aktiv und für den Aquarienbesitzer gut zu beobachten sind, sind Flusskrebse meist dämmerungs- beziehungsweise nachtaktiv und ziehen sich tagsüber in Verstecke zurück. Dafür eignen sich künstliche Höhlen oder Röhren, aber auch Kokosnussschalen oder Wurzeln.
Flusskrebse sind im Gegensatz zu Garnelen meist territorial. Eine Haltung mehrerer Flusskrebse in einem Aquarium ist nicht zu empfehlen, da das dominante Tier in den meisten Fällen versuchen wird, die schwächeren Tiere zu verdrängen. Auch eine Vergesellschaftung von Flusskrebsen und Fischen ist nicht zu empfehlen, da sie sich unter anderem von tierischem Eiweiß ernähren und versuchen könnten, kleinere Fische zu erbeuten. Die meisten Flusskrebse leben daher am besten in einem Artaquarium und in Einzelhaltung. Bei wenigen ausgewählten Zwergflusskrebsarten kann eine Paarhaltung funktionieren.
Für die Haltung von Flusskrebsen sollten mindestens Aquarien mit den Maßen 60 x 30 x 30 cm verwendet werden. Bei kleinen Arten wie dem Orangefarbenen Zwergflusskrebs kann bei guter Strukturierung des Aquariums ein Pärchen in einem Becken mit diesen Maßen gepflegt werden, während man sich beispielsweise bei Blauen Floridakrebsen auf eine Einzelhaltung beschränken sollte.
Im Vergleich zu Garnelen sind Flusskrebse wahre Ausbruchskünstler. Die für die Haltung vorgesehenen Aquarien sollten daher unbedingt abgedeckt werden.
Krebse niemals in der Natur aussetzen
Aktuelle Beispiele wie der Kalikokrebs (Faxonius immunis), der Marmorkrebs (Procambarus fallax f. virginalis) und der Kamberkrebs (Faxonius limosus) zeigen, dass exotische Flusskrebse in der Lage sein können, sich auch in unseren Gewässern zu vermehren und auszubreiten. Während Kamberkrebse bereits vor über hundert Jahren als Speisekrebse ausgesetzt wurden, gehen die Bestände der Kalikokrebse und der Marmorkrebse vermutlich auf ausgesetzte Aquarientiere zurück. Alle drei Arten gelten als invasiv, da sie einen erheblichen Schaden in unseren Ökosystemen verursachen können.
Deshalb sollten Flusskrebse unter keinen Umständen in der freien Natur ausgesetzt werden. Halter sollten zudem das alte Wasser immer über die Kanalisation und Wasserpflanzen im Restmüll entsorgen. So werden nicht nur unsere Ökosysteme geschont, sondern auch eine Übertragung der Krebspest vermieden. Diese oft tödlich verlaufende Pilzerkrankung ist verheerend für die Bestände einheimischer Flusskrebsarten wie dem Edelkrebs (Astacus astacus).
Vorab informieren
Obwohl es sich sowohl bei Flusskrebsen als auch bei Garnelen um Vertreter der Krebstiere handelt, unterscheiden sich die Haltungsformen beider in einigen Punkten. Sich vor der Anschaffung genau über die Bedürfnisse und Verträglichkeit zu informieren ist essenziell, um die Tiere langfristig erfolgreich zu halten. BNA/IVH