Kaninchensprache verstehen
Was Ohren, Körperhaltung und Bewegungen verraten

Kaninchen sind niedliche Heimtiere, die sich gern bewegen und ganze Gärten oder Zimmer zu ihren Spielwiesen machen. Kein Wunder, dass viele Halter Freude daran haben, ihre Tiere zu beobachten – und zu interpretieren, was in ihrem schweigsamen Langohr wohl vor sich geht. Dabei ist immer Kombinationsgabe gefragt: „Ein einzelnes Signal reicht selten aus, um die Stimmung eines Kaninchens sicher zu beurteilen“, erklärt Viola Schillinger, Tierärztin und Betreiberin des Ratgeberportals Kaninchenwiese.de. „Es geht um die Kombination aus Ohrenstellung, Körperhaltung, Bewegung und Verhalten. Erst daraus ergibt sich ein Gesamtbild.“
Ohren: Aufgestellt oder angelegt?
Die charakteristischen langen Ohren von Kaninchen sind echte Stimmungsbarometer. Neugierige oder aufmerksame Kaninchen richten sie meist nach vorne oder bewegen sie gezielt in Richtung eines Geräuschs. „Liegen die Ohren eng an, kann das auf Unsicherheit oder Unwohlsein hindeuten. Gleichermaßen kann es aber auch ein Zeichen für Entspannung sein. Ein definitiver Befund ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel mit der übrigen Körpersprache“, sagt Schillinger.
Körperhaltung: Ausgestreckt oder geduckt?
Auch die Körperhaltung gibt wichtige Hinweise auf die Stimmung. Liegen die Tiere ausgestreckt auf der Seite oder strecken ihre Hinterläufe lang nach hinten aus, spricht das für Entspannung, Sicherheit und Wohlbefinden. Unsicherheit und Angst zeigen sich hingegen in eng angelegten Beinen und einer geduckten Haltung. Bewegt sich ein Kaninchen kaum, kann das auf eine Angststarre hindeuten.
Bewegung: Luftsprünge oder Klopfzeichen?
„Wenn Kaninchen sich wohlfühlen oder erleichtert sind, machen sie manchmal Luftsprünge, bei denen sie mit allen vier Pfoten gleichzeitig springen. Andere rennen umher und schlagen dabei Haken. Dabei handelt es sich um Übersprungshandlungen. Sie bauen damit überschüssige Energie ab“, erklärt die Expertin. Steht ein Tier still und klopft mit den Hinterläufen, zeigt es sein natürliches Warnverhalten. In freier Wildbahn werden so Artgenossen vor Gefahren gewarnt. Aber auch im häuslichen Umfeld können ungewohnte Geräusche, fremde Personen oder Tiere dieses Verhalten auslösen.
Kontaktaufnahme: Anstupsen oder Rückzug?
Ihre Zuneigung zeigen Kaninchen oft sehr zurückhaltend. Zu den typischen Gesten gehören sanftes Anstupsen oder Ablecken der Hand, aber auch das entspannte Verweilen in unmittelbarer Nähe zeigt Vertrauen. Innerhalb ihrer Gruppe sind außerdem gegenseitige Fellpflege, Kontaktliegen, Kuscheln und gemeinsames Spielen Anzeichen dafür, dass die Tiere sich verstehen und als Gruppe harmonieren.
Verändert sich das Verhalten eines Kaninchens dauerhaft oder wirkt es ungewöhnlich ruhig, sollte dies aufmerksam beobachtet werden. Gerade weil Kaninchen Krankheiten oft versuchen zu verstecken, können kleine Veränderungen bereits wichtige Hinweise sein. Im Zweifel ist eine kaninchenkundige Tierarztpraxis eine gute Anlaufstelle. IVH